Bericht Titel: USA, Denver, Yellowstone, Zion, Moab und zurück


ID: US-DE-YS-ZN-MB-11-01-2016
Name / Pseudonym: Loeffeline

Angaben Handicap
Grad der Behinderung (GdB): 100
Klassen (G,B,aG,H,BL,GL,RF): aG
Rollstuhlabhängigkeit:  ja
Art der Behinderung: Ataxie
nähere Beschreibung: kann mit Unterstützung den Rollstuhl kurzzeitig verlassen, wenige Schritte und Treppenstufen sind möglich

Angaben Ausflug - Reise - Urlaub
Land: USA
Bundesland, Kanton, Bezirk: Colorado, Wyoming, Utah (Rundreise)
Stadt/Ort: Denver, Casper, Cody, Salt Lake City und andere
PLZ, ZIP: 
Name Unterkunft: Denver

Strasse: 
Telefon: 
e-Mail: 

Datum, von: 20. Juni 2015
Datum, bis:  8. Juli 2015

Bericht Text:

USA 2015 – Höhepunkte des Westens, 20.6.15- 8.7.15

Endlich:

Im Juni 2015 wagen wir unsere erste Reise in die USA. Als Selbstfahrer sind wir mit dem Mietwagen 18 Tage unterwegs. Wie immer haben wir Route, Unterkünfte und Flüge als Rollstuhlfahrer mit eigenem Rollstuhl und Begleitperson bei einem ganz normalen (also keinen auf Rollstuhlreisen spezialisierten) Reiseveranstalter gebucht.

Das machen wir grundsätzlich so, planen unsere Route inklusive möglicher Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten vor, klopfen sie mithilfe der Internets auf unsere Bedürfnisse ab und buchen dann bei einem ganz normalen Reiseveranstalter, meist aber einen, der auf das betreffende Zielgebiet spezialisiert ist. Unklare Verhältnisse unsere Bedürfnisse mit Rolli und Mobilitätseinschränkung betreffend lassen wir dann vorab noch vom Veranstalter vor der Buchung abprüfen.

Wichtig ist dabei unbedingt eine kritische, realistische, aber keinesfalls ängstliche Selbsteinschätzung: Was geht (noch), was geht nicht (mehr). So holen wir für uns das Optimum aus einer Reise heraus, ohne dass es dann vor Ort zu bösen Überraschungen und vielleicht sogar Frust kommt.

Und wenn es dann im Urlaub über Stock und Stein geht, wird der Rollstuhl mit Mountain-wheels bestückt. Das ist zwar kein Allheilmittel, bringt aber in unwegsamem Gelände oft den entscheidenden Zugewinn an Mobilität. Über Sandflächen lässt sich der Rollstuhl damit auch ziehen, ohne allzu tief einzusinken.

Und dass der Rollstuhl damit Ähnlichkeit mit einem Traktor hat – was solls ?

Unsere Route:

Denver - Rocky Mountains Nationalpark - Casper - Cody - Yellowstone Nationalpark - Grand Teton Nationalpark - Jackson Hole - Salt Lake City - Zion Nationalpark - Bryce Canyon - Monument Valley - Moab (Arches und Canyonlands Nationalparks) - Glenwood Springs - Denver.

Die Route

Die Anreise ist unproblematisch.

Als Fluggesellschaft wählen wir Iceland Air. Direktflüge nach Denver sind uns zu teuer, und die meisten Umsteigeverbindungen finden über US-Flughäfen statt. Da am ersten Flughafen in die USA die komplette Einreiseprozedur stattfindet, wollen wir dies mit Rolli und Geraffel vermeiden, also erst am Zielflughafen in die USA einreisen.

Mit Iceland Air haben wir eine Umsteigeverbindung über Keflavik / Island. Das ist auch mit Rollstuhl unproblematisch, die Umsteigezeit (ca. 50min.) ist ausreichend.

Der eigene Rollstuhl wird durchgecheckt, wir bekommen in Keflavik einen Leihrolli nebst Begleitservice von Flieger A zu Flieger B. Alles klappt wie am Schnürchen, übrigens auch beim Rückflug, wo die Umsteigezeit etwas kürzer ist.

Umsteigen in Island

Flug über Grönland

Auch in Denver haben wir einen Begleitservice vom Flugzeug über die Einreiseprozedur bis zur Gepäckausgabe.

In Denver sind die Mietwagenfirmen ein paar Meilen entfernt vom Flughafen an der Zufahrtsstraße ansässig. Der Transfer erfolgt mit Shuttlebussen. Auch hier kein Problem, die Busse haben eine Rampe und der Fahrer hilft mit Gepäck und Rolli, freut sich über ein Tip.

Unser Auto, ein Nissan Rogue

Unser Hotel in Denver:

Holiday Inn Denver – Cherry Creek

Ein großes Hotel im Stadtteil Cherry Creek, ein paar Meilen außerhalb Downtown Denver.

Erwartungsgemäß vollkommen unproblematisch für Rollstuhlfahrer, sowohl das (barrierefreie) Zimmer wie auch die komplette Hotelanlage.

Die Lage außerhalb Downtown ist kein Problem für uns, da wir Denver nicht besichtigen wollen und nach abendlicher Ankunft und Übernachtung Denver am nächsten Morgen schon wieder verlassen. In der Nähe des Hotels gibt es ein großes Shopping Center nebst Supermarkt. Dort decken wir uns mit Getränken und Knabbereien für unterwegs ein.

 

Die erste Etappe führt uns zum nur rund 100km entfernten Rocky Mountain Nationalpark, einer (Hoch)Gebirgsregion mit vielen 4000ern. Es ist der höchstgelegene Nationalpark der USA. Dort beschränken wir uns auf eine Panoramafahrt mit mehreren Aussichtspunkten (alle für Rollstuhlfahrer geeignet) und einem Abstecher zum Bear Lake. Auch dieser ist vom Parkplatz aus problemlos mit Rollstuhl erreichbar, eine Begleitperson ist empfehlenswert.

Im Rocky Mountain National Park

Parkbewohner

Am Bear Lake

Am Parkeingang erwerben wir auch einen Annual Pass. Für 80$ haben wir nun einen Jahrespass für 2 Personen: Er gilt für alle Nationalparks der USA für 12 Monate ab Ausstellungsdatum. Das kann man bei geplanten Besuchen mehrerer Nationalparks nur empfehlen, meist amortisiert er sich schon beim Besuch des 3. Parks.

Wir übernachten in Estes Park, dem wichtigsten Ort vor den Toren zum Nationalpark.

Unsere Unterkunft in Estes Park:

Rocky Mountain Park Inn

Ein barrierefreies Zimmer im Erdgeschoss eines Seitengebäudes, ein wenig abgewohnt, aber sauber und auch sonst einwandfrei. Der Weg zum Hauptgebäude (Rezeption und Restaurant) ist unproblematisch. Nur die Tür vom Eingangsbereich des Seitengebäudes zum Zimmerflur ist mit einem sehr schwergängigen Schließmechanismus ausgestattet. Auch hier ist eine Begleitperson hilfreich.


Es folgt die lange Fahrt über endlose und langweilige Prärielandschaft Richtung Norden zum Yellowstone Nationalpark.

Endlose Prärie

Zwischenstopps und Übernachtungen in Casper und Cody.

Von Casper haben wir nichts mitbekommen. Uns plagt der Jetlag, und wir schlafen dort 12 Stunden am Stück.

 

Unser Hotel in Casper:

Best Western Ramskota Hotel Casper

Ein typisches Stadt- und Tagungshotel, ganz nett und für eine Zwischenübernachtung mehr als OK, auch für Rollstuhlfahrer. Wir haben ein barrierefreies Zimmer im Erdgeschoss. Leider liegt das Hotel etwas abseits und auch noch ungünstig durch den Highway von der Innenstadt getrennt. Ohne Auto vom Hotel zur Innenstadt zu kommen ist nahezu unmöglich, erst recht mit Rollstuhl. Ein zusätzlicher Grund, warum wir von Casper nichts mitbekommen haben.

Auch Cody planen wir nur als Durchgangsstation. Die Stadt liegt nur rund 100km vom östlichen Eingang zum Yellowstone Nationalpark entfernt und bietet die letzte größere Versorgungsmöglichkeit vor dem Park. Daneben lebt die von William Cody (= Buffalo Bill) gegründete Stadt vom Mythos ihres Gründers und vermarktet sich entsprechend. Kaum ein Tourist, der das tägliche Rodeo-Spektakel im Sommer auslässt. Wir gehören zu den wenigen, da uns diese touristische Veranstaltung nicht interessiert.

Cody Visitor Center

Was wir aber nicht auslassen ist das ebenfalls im Sommer täglich kostenlos stattfindende Shoot-out der Cody Gunfighters, direkt am Irma-Hotel mitten in der Stadt. Für das halbstündige Spektakel wird kurzerhand ein Straßenabschnitt gesperrt und ein paar Wildwest-Buden aufgestellt. Nach der obligatorischen, von Darstellern und US-Zuschauern mit Inbrunst geschmetterten Nationalhymne beginnt dann das Spiel „Gut gegen Böse“, in dessen Verlauf im wahrsten Sinne des Wortes jede Menge Pulver verschossen wird. Am Ende liegen dann die Bösen alle „tot“ im Staub.

Cody Gunfighters

Knall Bumm Peng!

Alle bösen „tot“

Rechtzeitig zum donnernden Schlussapplaus stehen dann aber die Guten und die Bösen wieder Arm in Arm einträchtig nebeneinander.

 

Unsere Unterkunft in Cody:

Buffalo Bill Village

Eine Motelanlage mit Cabins (Blockhütten) mitten im Stadtzentrum. Wir haben eine barrierefreie Hütte mit entsprechender Ausstattung.

Unsere Blockhütte aussen ...

…. und innen

 

Sowohl die Hütte wie auch das ganze Anwesen sind komplett barrierefrei und unproblematisch. Die Rezeption befindet sich in einem dem Parkplatz angrenzenden Souveniershop, ebenso problemlos. Lediglich das Restaurant im hinteren Teil des Gebäudes ist durch den Shop über eine Rampe von der Rezeption aus zu erreichen. Die Abtrennung sind schwingende Flügeltüren im Wildwest-Saloonstil. Frühstück gibt es dort aber nur für „Deluxe“ (oder so ähnlich) - Gäste. Standard – Gäste (wie wir) werden zum Frühstück ins Restaurant des benachbarten Holiday Inn Hotels gebeten. Aber auch das ist kein Problem.

 

Einer der Höhepunkte der Tour folgt nun mit dem Yellowstone Nationalpark.

Parkeinfahrt Yellowstone

Für den Park haben wir drei Tage eingeplant und aufgrund der Entfernungen auch drei Übernachtungen im Park gebucht. So sparen wir uns zumindest längere Anfahrtswege. Auf Verkehrshindernisse in Form diverser Parkbewohner (Büffel) hat man so allerdings keinen Einfluss.

Stau im Park

Verkehrshindernis

Verkehrshindernisse

 

In den 3 Tagen besuchen wir diverse Geothermalgebiete wie

  • Upper Geyser Basin mit dem Old Faithful, Bisquit Basin, Midway Geyser Basin, West Thumb Geyser Basin,

 

 

 

 

 

 

 

 

  • die Mammoth Hot Springs,

 

 

 

 

  • den Grand Canyon of the Yellowstone

 

 

 

und mehr.

Alle wichtigen touristischen Ziele im Park sind barrierefrei ausgebaut mit guten Wegen und/oder hölzernen Boardwalks. Hindernisse oder Einschränkungen für Rollstuhlfahrer gibt es so gut wie keine. Nur auf ausgedehnte Wanderungen im Hinterland abseits der touristischen Hauptpfade muss man mit Rolli verzichten.

Die US-Nationalparkverwaltung bietet übrigens auf ihrer Homepage (www.nps.gov) umfassende Infos zu jedem Nationalpark der USA, auch in Bezug auf Barrierefreiheit und Möglichkeiten für Rollstuhlfahrer. Da kann man sich schon vor der Reise sehr gut vorbereiten und planen. Auch Infos zum weiter oben erwähnten Annual Pass findet man hier.

 

Unterkunft im Yellowstone Nationalpark:

Lake Lodge

Hier gibt es ebenfalls Cabins (Blockhütten). Unsere Hütte ist für uns nicht optimal, da relativ eng, auch im Bad. Da loeffeline auch ohne Rollstuhl kurze Strecken bewältigen kann, ist das für uns aber kein allzu großes Problem. Auch die relativ hohe Stufe in die Hütte ist zu schaffen. Wirklich ungeschickt gelöst ist die Umrandung der direkt vor den Hütten befindlichen Parkflächen und Wege: Sie sind mit halben Baumstämmen umrandet. Das sieht zwar gut und rustikal aus, aber es gibt keinerlei Durchgänge zu den Wegen, man muß über diese Umrandung hinübersteigen. Für Rollifahrer, die den Rollstuhl nicht verlassen können, eine nahezu unüberwindbare Hürde.

 

 

Ob es für Rollifahrer besser geeignete Cabins der Lodge gibt, konnten wir nicht herausfinden, da das Gelände recht groß ist. Auf jeden Fall wäre hier vor einer Buchung genau nachzuhaken, denn u.U. kommen Rollifahrer auch mit Begleitperson hier nicht zurecht.

Das Haupthaus mit Rezeption und Cafeteria (kein Restaurant) sind über Rampen erreichbar, barrierefrei und problemlos.

Nach drei Tagen verlassen wir den Yellowstone in Richtung Süden. Zwangsläufig fährt man dann durch den Grand Teton National Park, der direkt südlich angrenzt.

Die Teton Ranges beherrschen die Szenerie des Parks und sind mit ihren über 4000m von nahezu jeder Ecke des Parks aus zu sehen.

 

 

Nach unzähligen Fotostopps erreichen wir am späteren Nachmittag Jackson Hole, wo wir übernachten.

Jackson Hole ist ein Touristenort par excellance. Als Wintersportregion und südliches Einfallstor zu den Grand Teton und Yellowstone Nationalparks besitzt die Stadt eine enorme Bettenkapazität und eine perfekte touristische Infrastruktur mit entsprechendem Rummel. Zudem wirbt die Stadt mit Wildwest-Flair und -historie, die es in dieser Form hier nie gegeben hat.

Als Durchgangsstation für eine Nacht finden wir den Ort OK und nutzen die Möglichkeit für erste  Käufe von Souvenirs und Mitbringseln. Unweit unserer Unterkunft finden wir auch einen leckeren Mexikaner.

 

Unterkunft:

Painted Buffalo Inn

Alles in allem ein eher einfaches Motel in zentraler Lage mitten in der Stadt. Wir haben ein geräumiges barrierefreies Zimmer, über das sich weder großartig positives noch negatives sagen lässt. Das Frühstück ist im Preis inkludiert, aber ebenso einfach wie das gesamte Motel. Ein zufällig möglicher Blick in die Küche zeigt nur Konservendosen und Großpackungen, aus denen dann jeweils in die entsprechenden Behältnisse fürs Frühstücksbuffet umgefüllt wird. Es gibt nur Einweg-Geschirr.

Da gibt es in Jackson Hole mit Sicherheit bessere Unterkünfte, aber wir sind ja nur eine Nacht hier. Dafür ist es OK, mehr aber auch nicht. Eine wirkliche Empfehlung können wir für das Motel auf der Basis unserer Erfahrungen aber nicht aussprechen.

Salt Lake City – Hauptstadt des Bundesstaates Utah und Zentrum der Mormonenbewegung.

Hier verbringen wir zwei Nächte und haben somit einen ganzen Tag Zeit für die Besichtigung der Innenstadt. Aber nur theoretisch: Bei Tagestemperaturen von 38°C beschränken sich unsere Aktivitäten auf die Vormittags- und späteren Nachmittagsstunden.

 

 

Salt Lake City Downtown, vom Capitol aus

Die Innenstadt ist recht überschaubar lässt sich problemlos zu Fuß und mit Rollstuhl erkunden. Da auch unser Hotel im Stadtzentrum liegt, ist alles vom Hotel aus zu Fuß bzw. Rollstuhl erreichbar. Lediglich das Capitol – Regierungssitz des Bundesstaates Utah – liegt auf einem Hügel. Bei steigenden Temperaturen ist der Aufstieg mit Rollstuhl eine schweißtreibende Angelegenheit, so dass wir auf die gemeinsame Besichtigung verzichten.

 

 

Capitol of Utah

Ansonsten besichtigen wir vor allem den Temple Square, das religiöse Zentrum der Mormonen.

 

 

Haupttempel der Mormonen

Im Tabernakel lauschen wir einem kostenlosen werktäglich stattfindenden Orgelkonzert. Die Orgel dort gehört zu den weltbesten und mit über 11000 Pfeifen größten ihrer Art.

 

 

 

Orgel im Tabernakel

Zudem nutzen wir die Gelegenheit zu einem ausgedehnten Shoppingbummel im angrenzenden City Creek Shopping Center, wo es auch eine riesige Foodmall gibt, deren Angebot uns magisch anzieht.

 

 

 

City Creek Shopping Center

 

Unterkunft in Salt Lake City:

Hilton Garden Inn Salt Lake City Downtown

Gutes und angenehmes Stadthotel zentral im Stadtzentrum von Salt Lake City gelegen. Leckeres Frühstücksbuffet. Das Hotel ist komplett barrierefrei und ohne Probleme für uns. Wir haben ein barrierefreies Zimmer.

Der zweite Teil unserer Reise führt uns in die grandiose Natur des südlichen Utah.

Nach einer rund fünfstündigen Fahrt über die Interstate 15 erreichen wir Springdale am Eingang des Zion National Parks mit seinen farbigen Felswänden.

 

 

 

Während der Hauptsaison im Sommerhalbjahr ist der Individualverkehr in den hinteren Bereich des Nationalparks stark eingeschränkt. Wegen der unzureichenden Parkmöglichkeiten im Park rund um das Visitor Center empfiehlt es sich grundsätzlich schon von Springdale aus, die hervorragenden Shuttlebusse zu nutzen. Diese sind bereits im Eintrittspreis für den Park enthalten. Das Shuttlebus-System ist zweigeteilt. Eine Buslinie bedient verschiedene Haltestellen in Springdale bis direkt zum Parkeingang.

 

 

 

Eine zweite Buslinie führt innerhalb des Parks vom Eingang bis in den hinteren Bereich, wo die Straße in der immer enger werdenden Schlucht in einer Wendeschleife endet. Von hier aus geht es nur noch zu Fuß weiter, bis der rollstuhltaugliche Weg nach einigen hundert Metern ebenfalls endet. Danach kommt man mit entsprechender Ausrüstung nur noch durch den eiskalten Virgin River weiter bis zu den Narrows, wo die senkrechten, farbigen Felswände der Schlucht nur noch ein paar Meter voneinander getrennt sind. Dieses Abenteuer bleibt Rollstuhlfahrern natürlich verwehrt, aber auch der Weg bis zum Endpunkt bietet grandiose Landschaftseindrücke. Eine Begleitperson sollte aber unbedingt dabei sein. Der Weg ist zwar grundsätzlich rollstuhl-geeignet, hat aber Steigungen und Gefälle, und auch ein paar Steine und Wurzeln mitten im Weg.

 

Es gibt noch einen zweiten rollstuhltauglichen Wanderweg, vom Besucherzentrum am Parkeingang bis zu übernächsten Shuttlebus-Haltestelle. Diesen erwandern wir am nächsten Morgen. Er führt entlang des von üppigem Grün gesäumten Flusses. Hier ist die Schlucht noch weit und bietet einen völlig anderen Eindruck.

 

 

 

Die Shuttlebusse sind übrigens vollkommen rollstuhltauglich und besitzen alle eine hydraulische Hebebühne, mit der Rollstuhlfahrer völlig problemlos ein- und aussteigen können. Der Fahrer ist jeweils behilflich. Während der Fahrt sind Rollstuhl und -insasse mithilfe von Gurten im Bus gesichert.

Man kann die Busse nach dem Hop-On Hop-Off System beliebig nutzen. Alle paar Minuten werden die Haltestellen bedient. Fahrpläne hängen aus und sind auch überall zu bekommen.

Unterkunft am Zion Nationalpark in Springdale:

Majestic View Lodge

Die Lodge liegt knapp 5km vom südlichen Parkeingang des Zion Nationalparks entfernt in Springdale. Eine Haltestelle für den Shuttlebus gibt es direkt an der Lodgeeinfahrt.

Auch hier haben wir ein barrierefreies Zimmer, sogar mit Terrasse und grandioser Aussicht.

 

 

Alle Einrichtungen der Lodge sind problemlos mit dem Rollstuhl erreichbar. Eine der schönsten und besten Unterkünfte unserer Tour.

Nur rund zwei Fahrstunden entfernt liegt der Bryce Canyon, eine der faszinierendsten  Landschaften in den USA. Auch hier gibt es eine kleine touristische Ansiedlung vor den Toren des Parks, wo wir auch übernachten.

Für den Besuch des Bryce Canyons haben wir Pech. Kurz nach unserer Ankunft entlädt sich ein heftiges Gewitter, in dessen Folge es sich einregnet und so alle Hoffnungen auf den spektakulären Sonnenuntergang zunichte macht.

 

 

Trotzdem fahren wir natürlich in den Park und klappern mehrere Aussichtpunkte ab. Alle sind für Rollstuhlfahrer von den jeweiligen Parkplätzen aus ohne Probleme erreichbar.

 

 

 

Am nächsten Morgen ist es zumindest trocken. Wir sind schon früh im Park, frühstücken dort an einem Rastplatz, wandern den barrierefreien Weg vom Sunset Point zum Sunrise Point und hoffen auf ein paar Sonnenstrahlen für unsere Fotos vom Bryce Canyon. Und wir haben Glück, kommen zu den erhofften Bildern bevor wir den Park für unsere nächste Etappe verlassen müssen.

 

 

 

 

Es gibt mehrere Wanderwege im Park, von denen die nach unten, zwischen den Felsformationen hindurch führenden Wege für Rollstuhlfahrer vollkommen ungeeignet sind. Hier muss man sich als Rollstuhlfahrer auf die Wege entlang der Abbruchkante des Hochplateaus beschränken. Diese sind aber unproblematisch.

 

Unterkunft:

Bryce View Lodge

Auch hier wieder eine eher einfache Unterkunft, aber sauber, barrierefrei und für eine Übernachtung  vollkommen ausreichend. Kein eigenes Restaurant, das gibt es nur in der näheren Umgebung im Ort. Der Name täuscht, denn vom Bryce Canyon ist von der Lodge aus weit und breit nichts zu sehen (etwa 2km zum Park). Stattdessen hat man eine grandiose Aussicht auf den Parkplatz, siehe Bild weiter oben.

Für den Besuch des zum Navajo-Indianerreservat gehörenden Monument Valley haben wir uns etwas besonderes ausgesucht:

Wir haben ein Komplettpaket gebucht, mit Jeeptouren zum Sonnenunter- und -aufgang, Abendessen und Frühstück bei den Navajo-Indianern und auch Übernachtung im traditionellen Hogan im Schlafsack. Ein Hogan ist eine meist aus Holz und Erde gebaute traditionelle Behausung der Navajo-Indianer und sieht ähnlich aus wie ein Iglu.

 

 

 

Bei der Planung haben wir abgeklärt und für uns entschieden, dass es trotz Rollstuhl für uns machbar ist. Auch das Dixie-Klo etwas abseits sollte laut Beschreibung kein Problem sein.

Was im Prospekt und bei der Abklärung als Lagerfeuerromantik pur klingt, entpuppt sich leider als komplett touristische Massenveranstaltung ohne jegliches Flair.

 

 

Fütterung der Touristen

Die Jeeptouren selbst sind wunderschön und empfehlenswert.

 

 

 

 

 

 

Schrecklich ist das drumherum, und die Nacht auf Isomatten im gestellten und deutlich gebrauchten müffeligen Schlafsack im Hogan bei um die 30°C war unsere schlimmste Nacht der letzten 15 Jahre.

Das Dixie-Klo steht etwa 50m entfernt von den Hogans. Nicht etwa am Rande des gerodeten Bereichs, sondern mitten in der Pampa. Kein Weg führt hin, es geht über Stock und Stein, mit Rollstuhl unmöglich zu erreichen. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als meine loeffeline durch die Dunkelheit im Schein einer funzeligen Taschenlampe vom Hogan zum Klo und zurück zu tragen.

Fazit Monument Valley: Eine tolle Landschaft, die angebotene(n) Jeeptour(en) der Navajos sind empfehlenswert. Nur so kommt man auch in sonst unzugängliche Bereiche des Monument Valleys.

Bei der Übernachtung sollte man aber unbedingt auf entsprechende Hotel- und Lodgeangebote in der Umgebung zurückgreifen. Die Übernachtung bei den Indianern ist nur was für Abenteurer und Naturburschen, keinesfalls was für Rollstuhlfahrer. Selbst Otto-Normal-Touristen ohne Rollstuhl sollten sich ein solches Angebot gründlich überlegen.

In dieser Nacht fanden wir das einfach nur schrecklich, inzwischen sind wir doch stolz, das bewältigt zu haben. Keine Empfehlung von uns, auch für Nicht-Rollstuhl-Reisende.

Wer sich dennoch dafür interessiert: www.trailhandlertours.com

 

Unsere nächste Station ist Moab.

Von hier aus unternehmen wir Ausflüge zu den Arches und Canyonlands National Parks.

Der Arches National Park beherbergt die weltweit größte Ansammlung natürlicher Felsbögen. Die wichtigsten und schönsten von ihnen können von barrierefreien Aussichtspunkten aus bewundert werden. Wanderungen im Park sind für Rollstuhlfahrer nur eingeschränkt bzw. gar nicht möglich. Aber die Highlights sind auch für Rollstuhlfahrer erlebbar.

 

 

 

 

 

 

Der Canyonlands Nationalpark ist so zerklüftet, dass er in drei Bereiche (sections) aufgeteilt ist, die nur von unterschiedlichen Zufahrten aus besucht werden können. Innerhalb des Parks ist es unmöglich von einer Sektion zur nächsten zu gelangen.

Die Needles-Section besuchen wir auf dem Weg vom Monument Valley nach Moab, sie ist über eine rund 50km lange Stichstraße aus zu erreichen. Hier unternehmen wir eine Panoramafahrt zu einigen Aussichtspunkten. Die vielen Wanderwege hier sind nicht rollstuhltauglich.

 

 

 

Für die Island-In The Sky-Section haben wir schon von Deutschland aus einen Rundflug mit einer Cessna gebucht. Die Eignung für uns haben wir im Voraus abgeklärt, und es funktioniert auch alles reibungslos. Flugplatzpersonal und Pilot sind behilflich, und der Rollstuhl wird während des Fluges im Flughafengebäude geparkt.

 

 

loeffeline in der Cessna

Leider hat das Wetter pünktlich zum Rundflug in der Nacht umgeschlagen. Das Traumwetter der vergangenen zwei Wochen (abgesehen vom Bryce Canyon) ist vorbei, dicke Wolken verhüllen die Szenerie. Schade, aber trotzdem ist die Sicht aus dem Flugzeug auf die spektakuläre Landschaft grandios. Auch die Needles-Section und den Arches Nationalpark erleben wir noch einmal von oben.

 

 

 

 

Unterkunft in Moab:

Moab Valley Inn

Großes Motel nahe dem Stadtzentrum vom Moab (zu Fuß problemlos erreichbar).

Wir haben ein barrierefreies Zimmer im Erdgeschoss.

Direkt gegenüber befindet sich eine Hausbrauerei, die neben leckerem Bier (mehrere Sorten) auch leckeres Essen anbietet. Wir waren 2x dort, das will schon was heissen.

Die letzten zwei Urlaubstage benötigen wir für die Rückfahrt von Moab nach Denver. Da das Wetter weiterhin schlecht ist und entlang der Strecke nichts erwähnenswertes mehr liegt, gibt es über die letzte Etappe nichts mehr zu erzählen. Einzig hier interessant:

Unterkunft in Glenwood Springs:

Quality Inn & Suites On The River

eine große Hotel- / Motelanlage, problemlos für Rollstuhlfahrer, am Ortsrand von Glenwood Springs direkt am Colorado River gelegen. Der Frühstücksraum ist recht eng für Rollstuhlfahrer. Wir empfinden das Frühstück dort als ungemütlich und chaotisch, ständig ist alles mögliche zeitweise vergriffen und alles geht etwas wild durcheinander. Das mag aber eine Momentaufnahme sein.

Damit endet unsere Reise und damit auch dieser Bericht.

 

Ein Fazit:

Die USA sind für Rollstuhlfahrer ein ideales Reiseziel, sowohl touristische Ziele wie auch nahezu alle Bereiche des öffentlichen Lebens sind barrierefrei ausgebaut. Fast alles ist „easy-going“ und einfach selbstverständlich. Zudem sind die Amerikaner immer freundlich und extrem hilfsbereit.

Die Reisezeit (Juni/Juli) ist dem Besuch des Yellowstone Nationalparks geschuldet. Aufgrund der geographischen Lage ist die Saison dort recht kurz, bis Juni und ab September ist mit Schneefällen und entsprechenden Straßenverhältnissen zu rechnen. Für den Süden Utahs wiederum ist diese Zeit wegen der hohen Temperaturen (wir hatten bis zu 42°C) eher ungünstig. Da dies aber voraussichtlich unsere einzige USA-Tour bleiben wird, hatten wir uns für diese Kombination entschieden. Dabei war uns auch bewusst, dass wir viel Zeit im Auto verbringen werden, immerhin haben wir auf dieser Reise rund 4600km zurückgelegt. Viele Etappen hatten wir allerdings als Panoramastrecken geplant, so dass es auch unterwegs immer viel zu sehen und entdecken gab.

 

Würden wir nach den gemachten Erfahrungen etwas ändern ?

Nur wenig. Und schon gar nicht die Tour als solche.

Aber auf jeden Fall keine Übernachtung im Hogan bei den Navajos im Monument Valley.

Auch die Unterkunft im Yellowstone war rollstuhltechnisch gesehen grenzwertig.

Und in Jackson Hole wäre eine alternative Unterkunft durchaus auch eine Überlegung wert.

Ebenso in Casper, aber nur wegen der ungünstigen Randlage unseres Hotels.

Aber sonst ?

 

Eine großartige Reise mit vielen Highlights. Yes!

 

ENDE

Reiseberichte kommerziell

Startrampe.net

Eine Info an alle ehemaligen User der Community "Startrampe.net":

Es gibt die neue Info-Webseite

"www.greifreifen.de"

mit einer integierten Community.

Alle sind herzlich willkommen!

Euer BB

Länder-Reise-Informationen

Reisemobil trotz Handicap

reisemobil-handicap.de

Auf dieser Website berichtet Ralf Blaurock über seine Erlebnisse im Reisemobiel trotz Handicap !

Rolliboxenstop

Rolliboxenstop

Auf dieser Website finden Sie Berichte von Reisen eines uns befreundten Rollstuhl-Fahrers mit seinem Reisemobiel!

SüßeReisen

Behindertenreisen,
Rollstuhlurlaub


www.suesse-reisen.de

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